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geradewegs - die schönsten deutschen Wörter

geradewegs

geradewegs

– ohne Umwege, direkt; ohne Umschweife, offen –

Mit Entschiedenheit den eingeschlagenen Weg gehen, schnurstracks sein Ziel verfolgen, um direkt dorthin zu gelangen, ohne Umwege, ohne Zwischenhalt, geradewegs. Dabei vergisst so manch einer aber leider auch, gelegentlich mal nach rechts und links zu schauen, die Dinge und Menschen am Wegesrand wahrzunehmen. Winkt da jemand? Braucht da jemand unsere Hilfe? Hebt da jemand warnend die Arme?
Und auch ein Blick zurück kann bisweilen nicht schaden, denn vergessen, woher man kommt, sollte man nie, wenn man sich auf den Weg zu seinem Ziel gemacht hat.
Geht man seinen Weg ganz bewusst, gewinnt dieser mit jedem Schritt an Bedeutsamkeit. So wird der letzte Schritt, mit dem wir unser Ziel erreichen, dann auch nicht größer und bedeutender sein als jeder einzelne Schritt auf dem Weg dorthin.

Und kennt ihr das, wenn jemand immer um den heißen Brei herumredet, herumdruckst, nicht mit der Sprache herausrückt und man ihm die Würmer einzeln aus der Nase ziehen muss? Da ist es doch besser, geradewegs, ohne Umschweife zum Thema zu kommen, rundheraus und unverblümt seine Meinung zu sagen, unumwunden etwas zuzugeben und unverhohlen, offen und geradeheraus die Probleme anzusprechen.

 

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Filmriss - die schönsten deutschen Wörter

Filmriss

Filmriss, der

– plötzlicher Gedächtnisverlust; Verlust der Erinnerung infolge übermäßigen Alkoholkonsums –

Na, wohl zu viel gefeiert, gestern!
Brummschädel, Übelkeit, alles dreht sich, Nachdurst, Kater und dann auch das noch: Filmriss.
Der Anfang des Abends ist noch gut in Erinnerung, ein feuchtfröhlicher Abend war es, ein ausgelassenes Feiern mit Freunden. Doch der Blick ins Glas wurde immer tiefer und nicht nur das letzte Glas war zu viel. Am Ende der durchzechten Nacht sturzbetrunken, sternhagelvoll. Vollrausch.
Immer größere Lücken klaffen in der Erinnerung, immer schemenhafter werden die Bilder und dann… nichts mehr. Es bleiben Fragezeichen. Was war da noch? Wie ging es bloß weiter? Zu welch peinlichen Aktionen war man im Rausch vielleicht fähig?
Will man’s wirklich wissen?

 

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Momentaufnahme - die schönsten deutschen Wörter

Momentaufnahme

Momentaufnahme, die

– das Festhalten eines kurzen Augenblicks auf einem Foto oder im Gedächtnis –

Er dauert nur einen Atemzug, der Moment, der sich ins Gedächtnis brennt.
Es ist egal, was vorher war, es spielt keine Rolle, was danach geschieht.
Die Momentaufnahme klammert die Vergangenheit aus und ignoriert die Zukunft.
Das einzige, was zählt, ist der Augenblick.

 

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Schlussstrich - die schönsten deutschen Wörter

Schlussstrich

Schlussstrich, der

– abschließender Strich am Ende eines Schriftstücks oder einer Rechnung; Strich, der das Ende einer unangenehmen Sache markiert und diese für abgeschlossen erklärt –

Siebzig  Jahre, und noch immer kein Schlussstrich. Dann ist es ja wohl jetzt endlich mal Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. „Genau, wurde ja auch mal Zeit“ werden jetzt einige rufen, diese ewig Gestrigen, denen das Morgen egal ist. Und ja, in einem Punkt haben sie sogar recht. Es ist tatsächlich höchste Zeit. Lasst uns endlich einen Schlussstrich ziehen. Schluss, jetzt reicht’s. Schluss, Strich und aus. Schlussstrich, und zwar unter diese leidige Schlussstrichdebatte. Ein für alle Mal. Denn einen Schlussstrich unter einer solchen Geschichte kann und darf es nie geben.

Tätergeneration, Kollektivschuld, Gnade der späten Geburt… Welche Rolle spielt das heute noch? Es geht doch immer weniger um die Schuld der Vergangenheit (die steht ja außer Frage), sondern vielmehr um die Verantwortung vor der Zukunft. Man kann keinen Schlussstrich unter Vergangenem ziehen, man kann die Vergangenheit nicht ad acta legen, kann und darf sie nicht einfach vergessen. Was passiert ist, ist passiert. Daran ändert auch kein Strich, und sei er auch noch so dick, etwas.
Was man aber tun kann, ist einen Strich vor der Zukunft ziehen, den Schlussstrich zu einer roten Linie werden lassen, die niemand überschreiten darf, damit gewisse Dinge nie mehr geschehen. Denn das heißt wirklich, aus Vergangenem gelernt zu haben. Man muss sich nicht schuldig fühlen, für Vergangenes, an dem man, weil noch gar nicht geboren, nicht persönlich beteiligt war, aber verantwortlich für Zukünftiges, verantwortlich für das in der Zukunft Geschehende. Dabei spielt es auch keine Rolle, welcher Nationalität oder Religion man angehört, woher man kommt und was unsere Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern erlebt und getan haben. Alle können und müssen aus der Vergangenheit aller lernen. Das ist Globalisierung, die Globalisierung der Erfahrung, aus der eine Globalisierung der Verantwortung erwächst.

Man muss sich bewusst sein, dass Geschehenes wieder geschehen kann, nein tagtäglich, wenn auch nicht in diesem, dann dennoch in beängstigendem und schrecklichem Ausmaß, immer wieder geschieht.
Und natürlich taucht immer wieder die Frage auf, ob man damals mehr hätte tun können, ob der  Einzelne damals eine Wahl hatte oder zum Mitläufertum verdammt war. Die Frage ist aber auch: Was machen wir heute mit der Wahl, die wir haben? Auch heute sind wir alle noch viel zu sehr Mitläufer, werden uns auch morgen nicht herausreden können, von wegen wir hätten nichts gewusst und so. Was passierte in Srebrenica, in Ruanda, was passiert in Syrien, an so vielen Orten dieser Welt? Was passiert auf den Meeren dieser Welt? Wie viele Menschen leiden dort, sterben dort auf der Suche nach einem Zufluchtsort? Was passiert bei uns?
Wir sehen zu, wir wissen, was passiert. Doch was tun wir? Was können wir tun? Mitläufer sind die meisten von uns, Mitläufer bleiben die meisten von uns. Denn, wer geboren wird, wird dies zunächst als Mitläufer. Wir werden hineingeboren in eine Welt, in ein System, in eine Gesellschaft. Da ist es sehr einfach, mitzulaufen, gleichzutun, nichts zu tun. Aber aufstehen, den Mund aufmachen und seine Stimme erheben, etwas tun, das ist schwer, das ist das Besondere, das ist die Herausforderung. Sie war es damals und sie ist es heute.

Und was bleibt jetzt… unterm Strich?
Einen Schlussstrich im Hinblick auf die Vergangenheit darf es nicht geben, nein, den kann es nicht geben. Ein Schlussstrich richtet sich immer in die und an die Zukunft. Wichtig ist nicht, was bleibt, unterm Strich, sondern was kommt, nach dem Strich. Ein Schlussstrich ist rot, er zeigt Grenzen auf, er ist die rote Linie, die uns und allen anderen sagt: Bis hierhin und nicht weiter!

Und was die deutsche Vergangenheit betrifft, so sind leider alle Versuche, einen Schlussstich zu ziehen, bevor das damals Zukünftige Vergangenheit wurde, gescheitert. Wären die wenigen Versuche damals nicht fehlgeschlagen, es wäre ein weltbewegender, geschichtsschreibender Schlussstrich geworden, ein wirklicher, ein wahrer Schlussstrich. Es wäre vermutlich aber auch ein Schlussstrich, den viele heute nicht würdigen, nicht feiern würden, denn der wahre, der wirklich effektive und vor allem rechtzeitige Schlussstrich bleibt oft unscheinbar, kaum wahrnehmbar, weil er ja verhindert, dass geschieht, was geschehen wäre, hätte es eben diesen Schlussstrich nicht gegeben.

 

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